Auf Luthers Spuren bei der Church Night


Wer am Abend des 30. Oktober an der Evangelischen Stadtkirche in Sinsheim vorbeikam, mag sich gewundert haben über die laute fetzige Musik. Drinnen lief die "Church Night", ein Reformations-Gottesdienst von Jugendlichen für Jugendliche und jung Gebliebene. Church Night, ein Projekt das in über 1000 Orten in Deutschland zum Reformationsfest angeboten wird, wurde ins Leben gerufen von der Evangelischen Jugendarbeit, um dem Halloween-Treiben etwas entgegen zu setzen und das Reformationsfest ins Bewusstsein zu rücken.
In Sinsheim hatte der Neigungskurs Religion des Wilhelmi-Gymnasiums dazu eingeladen. Erarbeitet hatten den Gottesdienst die Schülerinnen und Schüler an den Projekttagen zusammen mit ihrer Fachlehrerin Gudrun König und ihrer Kollegin Katja Hobstetter. Die Abiturienten Anika Edinger, Jasmin Fernando, Sabine Kirsch, Ina Konya, Sebastian Krotz, Julia Löhr, Kai Schelle, Maximilian Scholl, Alexander Schuchmann und Margarethe Schuster hatten mit viel Engagement eine beeindruckende Veranstaltung vorbereitet.



"Who am I?" Bin ich nur ein unwichtiger Moment in der Geschichte, lebe ich aus eigener Anstrengung oder aus Gottes Liebe? Um diese Frage des Menschen, die auch den Mönch Martin Luther vor fünf Jahrhunderten beschäftigte, ging es.
Die Schülerinnen und Schüler luden die Gottesdienst-Besucher in ihre Stationen ein, wo man auf den Spuren des Reformators selbst aktiv werden konnte, was ihn bestimmt gefreut hätte. Da konnten die Besucher ihre Kritik an der Kirche wie einst Luther an eine Tür nageln, da konnte man sein Wissen über den Reformator bei einem Quiz unter Beweis stellen, seine Fürbitten formulieren (die später vorgelesen wurden), seinen Lieblingsspruch des wortgewaltigen Luther auswählen, Belastendes oder Ärgerliches auf Zettel schreiben und in einem Feuerkorb verbrennen, als "Mutprobe" den dunklen Kirchturm besteigen oder mit Puzzleteilchen versuchen, aus "Fasten", "Bußübungen" oder anderen "guten Werken" eine runde Sache zu machen, was erst durch das Einfügen des entscheidenden Teils "Gottes Gnade" gelingt ... Vielleicht hatte der eine oder die andere beim Mitmachen eine eigene kleine reformatorische Erkenntnis. Die Besucher jedenfalls waren voll des Lobes für diese gelungene Veranstaltung. Zwei ältere Damen, die bis zum Schluss blieben, waren tief beeindruckt, "dass es junge Leute gibt, die so engagiert und mit so vielen guten Ideen einen so schönen Abend gestalten!".