Lesung mit dem Autor Michail Krausnick
Michail Krausnik wurde 1943 in Berlin geboren. Er lebt als freier Autor in Neckargemünd und war am 14. Oktober im Rahmen des Frederiktages zu Gast in unserer Schule, um vor den Klassen 7b und 7d über seine Bücher zu sprechen und aus ihnen vorzulesen. Dass er ein vielseitig interessierter und beschäftigter Schriftsteller ist, zeigt sich daran, dass sein Werk neben Romanen auch Satiren, Hörspiele, Drehbücher für Film und Fernsehen, Theaterstücke, Gedichte und historische Sachbücher umfasst.
Ein Thema beschäftigt ihn Immer wieder, nämlich die Verfolgung der Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten. So auch in dem Buch „Wo sind sie hingekommen?“, in dem er auf sehr ergreifende Art das Schicksal der Sinti und Roma darstellt. Seine historischen Darstellungen werden ergänzt durch Aussagen von Angehörigen der Opfer und von Überlebenden.
Ein weiteres seiner Werke trägt den Titel „Auf Wiedersehen im Himmel“. Diese traurige, aber auch spannende Geschichte erzählt vom Schicksal eines „Sinti-Mädchens“, dem durch eine Ohrfeige das Leben gerettet wurde. Wer sich nun fragt, wie ausgerechnet eine Ohrfeige einem das Leben retten kann, der kann entweder das Buch von Herrn Krausnick lesen – oder kann jetzt eine Erklärung erhalten: Die Kinder der in Konzentrationslager verschleppten Sinti und Roma wurden von den Nazis zu Waisen erklärt und teilweise in katholische Kinderheime gegeben. Angela Reinhard war eines dieser Kinder. Eine Zeit lang blieben sie und die anderen Heranwachsenden von den Deportationen nach Auschwitz verschont, doch langfristig duldete die NS-Führung keine Ausnahme – die „Endlösung“ sollte eine „totale“ sein. Als die Kinder, unter dem Vorwand, einen Ausflug zu machen, von einem Bus abgeholt werden, nimmt eine Schwester das Mädchen mit den Worten beiseite: „Du gehörst nicht dazu!“. Angela aber will an dem scheinbar so verheißungsvollen Ausflug teilnehmen und versucht sich in den Bus zu schmuggeln, wird jedoch von der Schwester entdeckt: Diese verpasst dem Mädchen eine saftige Ohrfeige und schickt sie in den Schlafraum ins Haus zurück. Die anderen Kinder wurden in ein Konzentrationslager gebracht und dort vergast. Angela hat überlebt und lebt heute noch. Michail Krausnick hat mit der jetzt cirka Achtzigjährigen nach den Gräbern der Kinder gesucht. Doch wie sie feststellen mussten, gab es keine Grabstätten; die Asche war in Seen und Teiche geworfen worden. Kein Mensch weiß heute noch, dass sie gelebt haben – außer Angela Reinhardt. Es war ihr deswegen ein großes Anliegen, dass die Namen der Kinder auf der ersten Seite von Michail Krausnicks „Auf Wiedersehen im Himmel“ erscheinen.
Dem Autor geht das, worüber er schreibt, sehr nahe, und er hat bei uns das bewirkt, was sicherlich Antrieb für seine schriftstellerische Tätigkeit ist: Interesse zu wecken für deutsche Geschichte und Geschichten.
Marielle Berger (7b)